Vom Bauern- zum Tourismustal

Lassen Sie uns eine kleine Zeitreise unternehmen! In der heutigen Zeit zählt das Ötztal zu den touristisch beliebtesten Regionen des Tiroler Landes. Zahlreiche Gäste verbringen hier ihre wohlverdiente Urlaubszeit. Doch vor rund 200 Jahren war das anders: Zu dieser Zeit war das längste Tiroler Seitental noch weitgehend unbekannt.

Hätte die weltbekannte „Lonely Planet“-Reihe bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts existiert, dann wäre das Ötztal ganz sicher unter den Geheimtipps für Rucksacktouristen vorgekommen. Denn zu dieser Zeit besuchten nur wenige Reisende die Orte von Sautens bis Obergurgl. Wie auch, denn damals gab es nur mühsam passierbare Fuß-, Saum- und Karrenwege. Lediglich verwegene Abenteurer hielten ihre Eindrücke in Reiseberichten und Malereien fest. So auch Heinrich Wenzel, der das Tal 1837 durchstreifte und festhielt: „In Tyrol ist kein Thal, welches an Wildheit und Großartigkeit dem Ötzthale vergleichbar wäre.“

Gäste im Hirschen (Längenfeld) um 1900
Sommergäste in Gries im Ötztal
Gasthof Krone in Umhausen

Die Bevölkerung zur damaligen Zeit

Für die damaligen Bewohner waren die Lebensumstände weniger idyllisch. So legten sich die Obergurgler eine maximale Bevölkerungszahl auf, die nicht überschritten werden durfte. Grund für diese Limitierung waren die kargen Erträge aus der Landwirtschaft. Aus diesem Grund fand im Zeitraum zwischen 1830 und 1850 im Bergdorf auch keine Trauung statt. 1910 lebten nur noch 39 Menschen in Obergurgl. Erst das Einsetzen des Alpinismus stoppte die Auswanderungstendenzen. 

Obergurgl

Verkehrsverbindungen beleben das Tal

Ein wesentlicher Meilenstein für die Entwicklung des Ötztals war - neben der Realisierung der Arlbergbahnstrecke (Ötztal-Bahnhof) - vor allem der Ausbau der Straße nach Sölden in den Jahren 1898 bis 1903. Heute schier unglaublich, damals Normalzustand: Für die Strecke vom Bahnhof Ötztal bis nach Sölden benötigte der Pferdepostwagen knapp neun Stunden. Wer in der Zeit um 1929 mit dem eigenen Auto anreisen wollte, hatte eine Maut zu bezahlen und unterlag einer Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h. Die Fahrzeit nach Sölden erstreckte sich so auf 2,5 Stunden. Erst Mitte der 1930er Jahre verfügte Obergurgl über eine Straßenanbindung, zuvor gelangten die Gäste dorthin mit Saumtieren. 

Postauto Ötz-Ötztal-Innsbruck
Ein Narr mit Brettern unter den Füßen

Mit der spektakulären Ballonlandung des Forschers Auguste Piccard am Gurgler Ferner im Mai 1931 erlangte Obergurgl internationale Bekanntheit. Schon zuvor beehrten internationale Gäste das Ötztal. Laut einer Überlieferung brachte ein Amerikaner Anfang des 20. Jahrhunderts die ersten Ski ins Ötztal. Auf die Begegnung mit dem „seltsamen“ Schneeschuhläufer reagierten die Obergurgler damals noch kritisch und meinten: „Ein Narr ist zu uns gekommen mit Brettern unter den Füßen.“ Die Neugier löste die Skepsis ab und so bauten sich die Einheimischen schon bald ihre eigenen Schneegleiter. Die Entwicklung zur Wintersportdestination in Obergurgl begann 1949 mit dem Bau des ersten Schlepplifts, schon im Jahr 1953 erreichten die Urlauber die Hohe Mut per Sessellift. 

Ötz mit Acherkogel Ötz im Ötztal

Zahlen, Daten, Fakten zum Ötztal

Um den rasanten touristischen Aufschwung, den das Ötztal durchlaufen hat, zu verdeutlichen, reicht der Blick auf die Zahlen von früher und heute. Im Jahr 1903 gab es 25 Gasthäuser mit 1.012 Betten und 172 Privatunterkünfte im gesamten Tal. Die Anzahl der Gäste summierte sich auf 11.383 Personen. Für Sölden verzeichnete die Statistik im Jahr 1930 insgesamt 88.000 Nächtigungen. Diese Zahlen werden heute in allen Kategorien übertroffen. Allein in der Wintersaison 2014/2015 registrierten die Orte Sölden, Obergurgl-Hochgurgl, Längenfeld, Umhausen, Sautens und Haiming eine Summe von 2,8 Millionen Nächtigungen. 

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