Abhängen mit Patric Grüner: Einblicke in das Leben eines Extremsportlers

Der Extremradsportler Patric Grüner sitzt oft tagelang am Fahrrad. Abgestiegen wird nur für die dringendsten Bedürfnisse oder für ein kleines bisschen Schlaf. Wahnsinnig populär ist die Langstrecken-Disziplin auf zwei Rädern allerdings nicht – im Gegensatz zu einem 90-minütigen Fußballspiel kann man ein 8-tägiges Rennen schließlich schlecht im Fernsehen übertragen. Daher ist die Rad-Disziplin Langstrecke auch keine Sportart, die einem Millionen und Horden an Fans einbringt. Patric macht der Sport einfach Spaß. 

Bei einem kleinen Spaziergang zur Hängebrücke in seinem Heimatort in Längenfeld, die sich an dem Tag in mystischen Nebel hüllte, gab uns Patric spannende Einblicke in seinen Alltag als Leistungssportler.

Was es bedeutet, Langstrecken zu fahren

Langstrecken-Radfahren ist genau das, was das Wort besagt: Man fährt eine überdurchschnittlich lange Strecke – mindestens 24 Stunden, oftmals tagelang – beinahe ohne Pause durch, nur für den Toilettengang, zum Umziehen, für die Betankung des Navigatoren-Autos oder für ein bisschen Schlaf steigt der Sportler von seinem Fahrrad ab. „Das bedeutet volle Konzentration, genaueste Energieeinteilung, mentale Stärke, Überwindung des inneren Schweinehunds und teilweise auch pure Verzweiflung.“, gesteht Patric.

Ein Beispiel für ein Langstrecken-Radrennen:

Das Race Around Austria ist die jährliche Extremrad-Sportveranstaltung in Österreich. Die Radsportler müssen dabei 2.200 km zurücklegen. Im Jahr 2015 belegte Patric dabei Platz 2 und legte die Strecke in 3 Tagen, 21 Stunden und 39 Minuten zurück. Eine wahnsinnige Leistung, vor allem, wenn man bedenkt, dass die Athleten Tag und Nacht durchfahren.

Seine Freiheit schätzt er sehr

Patric radelt in keinem Team – er ist für sich selbst verantwortlich. Das bedeutet zwar, dass er seine Sponsoren eigenständig suchen muss, er kann sich aber auch seine Rennen selber einteilen. Sein Team stellt er sich ebenfalls selbst zusammen. Und genau diese Freiheiten schätzt er sehr an dem Sport.

Die Freiheit, die ich habe, ist keineswegs selbstverständlich.

Hilfe von einem grossen Team

Obwohl Patric in keinem Radteam fährt, sind seine selbst zusammengestellen Teammitglieder für ihn das Wichtigste. Denn obwohl der Sport eine Einzeldisziplin ist, ist er nie alleine unterwegs. Begleitet wird Patric beim Rennen stets von einem Auto: Darin sitzen der Navigator, der ihm die Strecke ansagt, der Fahrzeuglenker und meistens auch seine Freundin Carina als Motivatorin. Bei einem tagelangen Rennen reichen drei Helfer jedoch nicht annähernd. „Bei einem Radrennen nehme ich meistens ein 30-Kopf großes Team mit!“ Und dieses ist absolut essenziell für Patrics Erfolg, denn das Team übernimmt wichtige Aufgaben...

Die Aufgaben seines Teams

  • Weckfunktion: Patric kann bei einem Langzeitrennen rasch in Sekundenschlaf fallen – das Team muss stets darauf achten und ihn gegebenenfalls durch Anschreien über Funk aufwecken.
  • Wegweiser: Im Auto sitzt unter anderem der Navigator. Dieser sagt Patric über Funk an, wohin er fahren soll. An der nächsten Kreuzung rechts, nach dieser Kurve links etc.
  • Transport: Das Auto ist vollbepackt mit Essen, Wechselklamotten, Ersatzteilen fürs Fahrrad und vielem mehr.

  • Motivation: Tagelang auf dem Fahrrad zu sitzen bei egal welchem Wetter zehrt an der Energie und auch an der Laune. Auch Patric hat seine Tiefpunkte – und genau dann muss ihm sein Team helfen und dabei sehr sensibel vorgehen. Oft liest man ihm auch einfach ein paar Witze vor.
  • Nahrungserinnerung: Patric hat das Ziel so im Fokus, dass er auch aufs Essen und Trinken vergisst. Dafür ist sein Team ebenfalls da. Es erinnert ihn ans Essen und zwingt ihn notfalls dazu, die vorgeschriebene Kalorienmenge zu verzehren. 

Statt Sofa – Training

Pro Woche stehen 20 bis 30 Stunden Training auf Patrics Programm. Neben dem Radfahren selbst stehen auch Übungen mit der Blackroll sowie Slingtraining auf der Tagesordnung. Im Winter, wenn Schnee das Radtraining verhindert, tauscht Patric das Rad gegen die Tourenski und macht sich auf durch die verschneiten Berge. Ein paar Mal im Jahr geht Patric auch auf Trainingslager: Da weitet sich das Training dann auf 32 bis 40 Stunden aus. „Lediglich der Sonntag ist trainingsfrei, denn dieser Tag gehört ganz mir und meiner Freundin Carina.“, gesteht Patric.

Radsportler Patric Grüner aus Längenfelden

Die Liebe zum Radsport? von einer Verletzung!

In seiner Jugendzeit war Patric der klassische Ballsportler. Ob Fußball, Tennis oder Volleyball – sportlich war er schon immer. „Nach einer Miniskusverletzung wurde ich zur Therapie geschickt, wo ich dann Radfahren musste“, erzählt Patric. Dort entdeckte er seine Liebe zum Radsport, und begann mit Kurzstrecken-Radrennen. Nach drei Jahren in der österreichischen Bundesliga erkannte er, dass es dort oft nicht rechtens zuging und er stieg aus. Es folgte eine Auszeit. „Doch irgendwie ließ mich das Thema Rad nicht los,“ schmunzelt Patric. „Daher dachte ich mir, probiere ich es mal mit dem Langstrecken-Radsport.“ 2012 gab er seinen Job im Einzelhandel schließlich auf und machte gleich im selben Jahr den 1. Platz bei der Weltmeisterschaft Glocknerman.

Millionen verdienen ist nicht drin

Die 24-Stunden-Disziplin ist keine überdurchschnittlich populäre Sportart. Fernsehübertragungen gibt es so gut wie keine, daher ist sie auch keine Sportart, hinter der großes Sponsoring steht. Zudem ist pro Rennen ein überaus großes Team involviert, das auch finanziert werden muss. „Ausgesorgt hat man mit dem Sport nicht“, gibt Patric ehrlich zu. Darum jobbt er auch nebenbei in dem familiengeführten Hotel Garni Liesl in seinem Heimatort Längenfeld.

Und das macht Patric so sympathisch: Er ist ein echter Tiroler Bua, der zu seinen Wurzeln steht und einfach das macht, wofür sein Herz schlägt.

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