Was macht ein Bergführer im Winter? Fensterputzen!

Wenn im Winter Eis und Schnee ihr Regiment über die Ötztaler Bergwelt führen, haben die örtlichen Berg- und Wanderführer meist Pause. Da stellt sich die Frage: Was machen Alpinguides eigentlich, wenn ihr angestammtes Territorium unter einer dicken Schneedecke schlummert? Wir haben uns bei jemandem erkundigt, der das ganz genau wissen muss.

Ewald Holzknecht ist in den Bergen zuhause. Er ist Bergführer, Kletterlehrer, Canyoning-Guide, Erfinder des Längenfelder Seilparcours – und ein waschechter Ötztaler obendrauf. Doch was tut ein solcher Alpinist eigentlich, wenn die Wildwasser und Bergpfade des Ötztals unter Eis und Schnee begraben liegen? Ewalds Antwort hat uns überrascht: Im Winter werden manche Bergführer zu Fensterputzern.

Glasfassaden stellen auch für erfahrene Bergführer eine Herausforderung!

Vom Felsen auf die Glasfassade

Was haben Bergführer mit Fensterputzern gemeinsam? „Auf den ersten Blick gar nix“, sagt Ewald Holzknecht und lacht. Denkt man etwas genauer über die Paralleln zwischen Fensterputzern bzw. Fassadenreinigern und und Alpinisten nach, fallen aber nach und nach Parallelen auf. Genauso wie ein Bergführer muss ein Reiniger von modernen Glasfassaden etwa höhentauglich und schwindelfrei sein – schließlich verfügen Beispiele moderner Architektur oft über gigantisch große Glasoberflächen, die kaum zur Reinigung zugänglich sind. Die einzige Möglichkeit, die großen Scheiben zu reinigen, ist dabei oft das Abseilen vom Dach des Hauses. Und das will schließlich gelernt sein.

Moderne Architektur bringt neue Herausforderungen für Alpinisten

Die gesteigerte Nachfrage nach schwindelfreien Fassadenbezwingern, die gerade die moderne Hotelarchitektur mit sich bringt, tat demnach neue Betätigungsfelder für die lokalen Bergführer auf. Für die geübten Alpinisten stellen die glatten Glasoberflächen jedoch ebenfalls eine neue Herausforderung dar. „Es ist durchaus ein Schritt weg von der Arbeit eines Bergführers“, erklärt uns Ewald Holzknecht. „Schließlich muss man sich vom Gepäckminimalismus wegbewegen, den man als Bergführer gewohnt ist. Als Bergführer lautet das Motto meist, je weniger Gepäck getragen werden muss, desto besser. Beim Fensterputzen ist man hingegen voll ausgestattet, muss auf zwei, manchmal auch auf drei Seilen arbeiten, damit man sicher unterwegs ist.“, so Ewald.

Einsatzort Hotelfassade

Wer sich nun fragt, wo im Ötztal die kletternden Putztrupps im Einsatz sind, bekommt eine recht einleuchtende Antwort: Es sind primär die großen Hotelbauten, die den Einsatz von Ewald und seinen Kameraden bedürfen – etwa das Hotel Bergland in Sölden oder das Hotel Riml in Obergurgl-Hochgurgl. Wenn man dort also eine Tasse Kaffee vor herrlichem Bergpanorama genießt, weiß man ab sofort: Die klare Sicht hat man vielleicht Ewald Holzknecht zu verdanken.

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